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Hexenverfolgung

Über Jahrhunderte hinweg wurden Menschen, überwiegend Frauen, als Hexen mit dem Synonym der „Schadenszauberin“ diffamiert, denunziert, verfolgt, gefoltert und ermordet.

Seit 2006 sammelt das Fachportal für Geschichtswissenschaften historicum.net unter dem Themenportal „Hexenforschung“ Fachinformationen in Form eines fortlaufend aktualisierten „Lexikons zur Geschichte der Hexenverfolgung“, mit zahlreichen E-Texten, digitalisierten Schrift- und Bildquellen, Tagungsberichten, Bibliografien und kommentierten Links unter redaktioneller Leitung von Dr. Katrin Moeller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und Prof. Dr. Gudrun Gersmann (Universität Köln).

Wir wollen versuchen, hier in einer – zwangsläufig verkürzten – Zusammenfassung einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu geben.

 

Das „Delikt“ der Hexerei

„Das „neue“ Delikt der Hexerei umfasste – bei allen Unterschieden – in der Konzeption, wie sie die Vorstellungswelt der Frühen Neuzeit beeinflussen oder prägen sollte, fünf Hauptelemente:

Teufelspakt,
Teufelsbuhlschaft,
Flug durch die Luft (Hexenflug) zum
Hexensabbat, auf dem Gott abgeschworen und der Teufel angebetet wurde,
Schadenszauber.

An diese fünf Hauptelemente des neuen Sammelbegriffs lagerten sich zahlreiche weitere Vorstellungen an: Werwolfglaube, Tierverwandlungen, Monstergeburten als „Wechselbälger“, Wettermacherei etc. Ein großer Teil dieser Vorstellungen findet bereits einen literarischen Niederschlag im Malleus maleficarum, dem sogenannten „Hexenhammer“, der 1487 zum ersten Mal in den Druck ging, um bis 1520 noch dreizehn und zwischen 1574 und 1669 weitere sechzehn Auflagen zu erfahren.

,,Alles geschieht aus fleischlicher Begierde, die bei ihnen unersättlich ist.. Darum haben sie auch mit den Dämonen zu schaffen, um ihre Begierden zu stillen… Es [ist] kein Wunder, wenn von der Ketzerei der Hexer mehr Weiber als Männer besudelt werden. Daher ist auch folgerichtig die Ketzerei nicht zu nennen die der Hexer, sondern der Hexen.“

Jacob Sprenger und Heinrich Institoris, Der Hexenhammer (1487)“ (1)

Während die Inquisition als Vorgängerin bei den Ketzerverfolgungen noch festgestellt hatte, dass die Zauberer sich aus beiden Geschlechtern rekrutierten,  verbreitete der Hexenhammer eine derart gezielte Frauenfeindlichkeit, dass man diese nur pathologisch erklären kann. Sie wurde bis ca. 1540 von weiteren Autoren – meist Inquisitoren oder sonstigen Mitgliedern des Dominikanerordens– in Form von Traktaten weiter transportiert, um letzte Zweifel an dem neuen Sammelbegriff und der neuen Hexensekte zu zerstreuen.
Die Fragestellung der Redaktion von historicum.net bezieht sich auf die allgemein bekannten Fragen, die in einer ersten Annäherung an das Forschungsgebiet nach dem 2. Weltkrieg in der Literatur meist monokausal abgehandelt wurden, daher die ganze Komplexität des Themas nur eingeschränkt erfassten und die deshalb nach wie vor Relevanz haben: „Wo hat man eigentlich Hexen verfolgt? Wann (und in welchen Phasen)? Wer sind die Hexen gewesen? Und letztendlich: Warum? Wie kann man die großen Hexenprozesse erklären und verstehen?“ (2)  Die Redaktion versucht herauszufinden, inwieweit die neuesten Arbeiten und Forschungsansätze etwas Neues oder Wichtiges erbracht haben.

Dieser Struktur folgend, ergänzt durch Aussagen zur Quantifizierung, beginnen wir mit dem

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